|
Eine Schulklasse als Chorklasse
Von SZ-Mitarbeiterin Beatrix Hoffmann
Mit einem öffentlichen Konzert stellt die Gesamtschule Riegelsberg ihr Chorprojekt vor Seit einem Jahr bietet die Gesamtschule Riegelsberg mit ihrer Chorklasse ein besonderes musikalisches Schulkonzept an. So verabschiedet sich die Schule auch mit einem öffentlichen Chorkonzert in der Riegelsberger Rathausgalerie am morgigen Dienstag in die Sommerferien. Wir schauten der Chorklasse und Musiklehrer Bruno Rabung bei der Generalprobe zu.
 Foto: BeckerBredel
Bruno Rabung, Musiklehrer an der Gesamtschule Riegelsberg, drapiert seine Schüler rund um den Flügel: "Auf Lücke, von Mund-zu-Ohr stellen, möglichst eng und dann weiter hinten an die Wand." Danach heißt es: "Ausschütteln, auf die Zehenspitzen stellen, hecheln, still stehen, Knie durch drücken und Schnur an den Schopf." 30 Kinder formen ihre Hände zum Trichter und singen: Jaejaejae. Es folgt zum warm werden "ein bisschen Weitsprung für die Stimme": jahujhuhuja.
"O.k., ein Spitzenraum zum Singen", stellt der Dirigent fest, und dann geht es richtig los mit dem Programm. Gestartet wird mit dem Lied "Cerf-Volant" ("Papierflieger") aus dem Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu". "Mittanzen", sagt Rabung dann, und schon fangen die Kinder an zu schunkeln. Doch: "Nein, stop", korrigiert der Dirigent, "vom Gefühl her, in Gedanken mittanzen!"
Seit genau einem Schuljahr existiert die Chorklasse an der Riegelsberger Gesamtschule. Es ist ein derzeit im Saarland noch einmaliges Projekt, dass sich eine Klasse auf diese Weise auf die Musik konzentriert. Bruno Rabung hat Musikerziehung und Chormusik studiert und zudem das Aufbaustudium Dirigieren absolviert. Das Konzept für den neuen Schulzweig hat er zusammen mit Schulleiter Günter Engel erarbeitet. Statt der in Schulen üblichen zwei Stunden haben die Kinder hier vier Stunden Musikunterricht. Das Ziel sei, sie "zu mündigen Chorschülern zu erziehen", sagt Rabung, der nach den Prinzipien der Chorschule des Sängers und Stimmbildners Tjark Baumann unterrichtet.
Auf der Bühne zu stehen, sei zudem gut für die Persönlichkeit, meint der Musiklehrer. Und das Singen schaffe einen gemeinsamen Nenner, einen sozialen Zusammenhalt. Es sei auch gut für die Konzentration, die Atmung und die richtige Sprechentwicklung. Lange Zeit wäre ja das gemeinsame Singen in den Nachkriegsjahren verpönt gewesen, da es in der Nazizeit auch als Instrument der Massenmobilisierung missbraucht wurde.
Wie man die Kinder mit Musik vertraut macht, erläutert Bruno Rabung am Beispiel Filmmusik. Statt einfach nur Hörbeispiele im Unterricht abzuspielen, singen die Kinder selbst die Lieder, denn: "Wenn man etwas körperlich erfahrbar macht, bleibt das ganz anders hängen, als wenn man es nur konsumiert", erläutert der Musiklehrer. Den Kindern gefällt es jedenfalls gut in der Chorklasse: "Cool", kommentiert Katarina. "Ich mag die schöne Musik", sagt Anna-Lena, und auch Gian Luca schwärmt: "Schön. Schöne Lieder."
Nach den großen Ferien wird die Sängerin und Stimmbildnerin Bernadette Meier den Musiklehrer unterstützen und kleine Gruppen speziell betreuen. Vielleicht macht sie auch schon beim Konzert am Dienstag mit. Ganz gewiss dabei ist der gemischte Eltern-Lehrer-Schülerchor, und zwar mit Jazz und Gospels. Dieser Chor probt seit drei Jahren jeden Dienstag von 19.30 bis 21 Uhr im Musiksaal der Gesamtschule. 20 Leute sind zur Zeit mit von der Partie, und (auch externe) Neueinsteiger sind jederzeit willkommen.
Das Konzert der Chorklasse der Gesamtschule Riegelsberg beginnt am Dienstag, 21. Juni, um 19 Uhr, in der Rathausgalerie. Der Eintritt ist frei. Beitrag vom: 20.06.2011 in der Saarbrücker Zeitung
|