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Von SZ-Redaktionsmitglied Anne Grimm
Riegelsberg. Kinder und Jugendliche können laut schreien. Das haben die Schüler der Gesamtschule Riegelsberg gestern Mittag bewiesen. Der Grund: fünf smarte junge Männer aus Großbritannien – die Boyband „The Wanted“. Die Uhr zeigt fünf vor elf, als Max, Siva, Jay, Nathan und Tom das erste Mal die Sporthalle der Schule betreten. Die Jungs wirken entspannt, albern herum. An den Glastüren drängen sich schon die Mädchen, mit hochroten Wangen und großen Augen. Sie kreischen so laut, dass wohl spätestens in diesem Moment jeder in Riegelsberg weiß, dass in der Schule heute etwas besonderes passiert. Der Ausnahmezustand war vergangenen Freitag ausgebrochen. An diesem Tag setzte sich Lehrer Dirk Hoffmann im Schulkampf auf Radio „103.7 unser Ding“ im Finale gegen die Erweiterte Realschule Kleinblittersdorf durch. Der Deutsch- und Politiklehrer gewann das Konzert für seine Schule, weil er die Frage „Wieviele Umdrehungen schafft ein Zahnarztbohrer in der Minute?“ besser geschätzt hatte, als seine Konkurrentin 500.000 Umdrehungen sind es. Und mindestens genauso oft, ist seitdem der Name „The Wanted“ bei den Schülern gefallen. „Die sind so süß“, sagt Anna Rehr aus der fünften Klasse. Und ihre Freundin Kati Schommer pflichtet ihr bei: „Vor lauter Aufregung habe ich letzte Nacht ganz schlecht geschlafen.“ Kein Wunder, denn die Boyband ist in Großbritannien eine große Nummer. Mit ihrem Song „All Time Low“ stürmten die Jungs in den UK-Charts sofort auf Platz eins. Und mit diesem Hit beginnt „The Wanted“ auch die Sporthalle in Riegelsberg zu rocken. Zwölf Uhr Mittags – die Gesichter der 500 Schüler strahlen vor Begeisterung. Sie tanzen und singen mit ihren Idolen. Einige Mädchen halten selbst gebastelte Plakate, mit großen Herzen und der Aufschrift „I love you“, in die Höhe. Nur einer ist nicht da – Dirk Hoffmann. Der Lehrer fährt diese Woche mit den Achtklässlern in Österreich Ski. Aber seine Lehrer-Kollegen lassen sich nicht lumpen, klatschen zu den poppigen Rhythmen. Und das obwohl die Londoner vor dem Konzert zugaben: „Wir können zwar gut singen, aber überhaupt nicht tanzen.“ Das scheint die Schüler während des Auftritts nicht zu stören. So euphorisch habe er die Kinder noch nie erlebt, gibt der Schuldirektor Günter Engel zu. „Was die hier machen ist richtig cool“, sagt Thomas Hauer. Und sein Klassenkamerad Daniel Blank flüstert ganz aufgeregt: „Das ist mein erstes Konzert.“ Spätestens als das 21-jährige Bandmitglied Max in das Mikrofon haucht: „Mein Deutsch ist nicht so gut, aber wir lieben euch“, hat er die Herzen der Schüler erobert. Und den Lärmpegel bis zum Äußersten getrieben.
Ob „The Wanted“ auch die Fachjury überzeugen kann, wird sich nächsten Dienstag zeigen. Die junge Band ist in der Rubrik „Beste britische Single“ mit dem Lied „All Time Low“ für Englands wichtigsten Musikpreis, den Brit Award, nominiert. Zumindest der Direktor der Gesamtschule sagt ihnen eine große Zukunft voraus. „Die werden mal so berühmt wie die Beatles“, wagt Engel nach dem Konzert eine Prognose.
Beitrag vom: 10.02.2011
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